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IQSH S22
Seminar für Sonderpädagogik
Fachrichtung Erziehungshilfe


Entwurf
Auf Wunsch senden wir Ihnen gern die entsprechende Worddatei per Email


Modell einer
kreisinternen Erziehungshilfekonzeption
und
der entsprechenden
Fortbildungsnotwendigkeiten



1. überarbeitete Fassung

Scheersberg, Oktober 2000
Kronshagen, Januar 2001


Matthias Ahrens, Jakob Clausen, Angelika Lock, Eckhardt Plagmann, Hartmut Strekies


Vorbemerkung


Seit November 1997 besteht seitens der obersten Schulaufsicht der Auftrag an die Schulämter, Erziehungshilfe-Konzeptionen zu entwickeln und vorzulegen.
Die Fachrichtung Erziehungshilfe / Verhaltensgestörtenpädagogik wird als sonderpädagogische Fachrichtung seit mehr als 30 Jahren in Schleswig-Holstein grundständig ausgebildet. Da sie sich aber im Gegensatz zu anderen Fachrichtungen kaum in Spartenschulen/-einrichtungen manifestiert und somit keine konzeptionelle Beheimatung hat, wird ihre Existenz so lange nicht wahrgenommen, bis die pädagogischen Probleme überhand nehmen.
Dann allerdings kommt es zu Zuschreibungen wie hilflos, unzulänglich usw.

Die Erziehungshilfe als sonderpädagogische Fachrichtung unterliegt den Bestimmungen, die im Lande Schleswig-Holstein Strukturen und Funktion der Sonderpädagogik regeln. SchulG §5 (2.) sieht auch hier als Regelfall die gemeinsame Beschulung vor, § 25 (2.) und (3.) beschreiben die Aufgaben der Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen der Fachrichtung, die an Sonderschulen ( als Förderzentren ) tätig sind. Die Verfahrensweisen sind in der Ordnung für Sonderpädagogik (OSP) vom November 1992 fixiert.

Bedingt durch ihre Nähe zur nichtschulischen Erziehungshilfe, der öffentlichen Jugendhilfe, kommt der Erziehungshilfe bei der Umsetzung des Öffnungsauftrags im § 3 (3.) des Schulgesetzes besondere Bedeutung zu. Entsprechungen mit einem weitaus höheren Maß an Verbindlichkeit finden sich im KJHG §§ 81 und 13 (1.) sowie in den Ausführungsbestimmungen des JuFöG des Landes als Vorgaben für die Jugendhilfe.

Die Sinnhaftigkeit der Zusammenarbeit und wechselseitigen Ergänzung wird durch eine Vielzahl von Aussagen zuständiger Gremien und politischer Entscheidungsträger untermauert, im Juli 1993 gab die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter ihre Empfehlungen zum Thema Jugendhilfe und Schule heraus, dezidiert beschreibt der Bericht über die gemeinsamen Beratungen der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder und der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe zum Thema Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule die Aufgaben. Die Empfehlungen der KMK zum Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung von 1999 nehmen Bezug zur Kooperation, die derzeitige Regierungspartei formuliert in Bildung für ein neues Jahrhundert den Willen zu besserer Vernetzung von Schule und Jugendarbeit (Landtagswahl 2000), der Koalitionsvertrag vom März 2000 präzisiert diese politische Vorgabe.

Nicht zuletzt auch bedingt durch den Rückgang der Ressourcen in allen Bereichen der Bildungs- und Jugendarbeit und infolge eines pädagogischen Paradigmenwechsels als Antwort auf veränderte Lebenswelten und nicht eingelöste Erwartungen gewinnen also heute Begriffe wie Vernetzung und Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule erheblich an Bedeutung.

Weiterhin ist zu verweisen auf die Stärkung der Eigenverantwortung der Schulen, die sich im Auftrag zu Entwicklung von Schulprogrammen niederschlägt.

Prämissen

Prämissen für die konzeptionelle Entwicklung kreisinterner Erziehungshilfekonzepte dieses Entwurfes sind:

  • Die Erziehungshilfe bildet kein gesondertes System. Sie ist integraler Bestandteil der Förderzentren und nimmt von dort und in deren Auftrag ihre Aufgabe wahr.
  • Die Erziehungshilfe leistet durch ihre Unterstützung einen professionellen Beitrag in Form von Hilfe zur Selbsthilfe bei der Umsetzung des schulgesetzlich definierten Erziehungsauftrags der Regelschule. Sie bringt Erziehungshilfe-Kompetenz ein und stellt diese zur Verfügung mit dem Ziel, die vorhandenen pädagogischen Stärken der Regelschulen wirksamer werden zu lassen und fortzuentwickeln.
  • Die Umsetzung der Aufgaben der Erziehungshilfe erfolgt in enger Zusammenarbeit einerseits mit interessierten Kolleginnen und Kollegen der Regelschulen - im weiteren Ansprechpartner (AP) genannt - und andererseits mit Vertretern öffentlicher und verbandlicher nichtschulischer Jugendarbeit.
  • Die Erziehungshilfe ist Bestandteil eines flexiblen Konzepts standortbezogener integrativer Hilfen. Schulische Separation ist zu vermeiden, die Schaffung neuer nichtintegrativer Beschulungsstrukturen ist grundsätzlich abzulehnen.
  • Die Bereitstellung neuer Organisationsstrukturen bezieht sich auf die Arbeitsbedingungen der beteiligten Erwachsenen.
  • Die Zuweisung von Erziehungshilfe-Ressourcen erfolgt auf der Grundlage von Schülerzahlen im Funktionsbereich, nicht problem- oder fallbezogen.
  • Zur Organisation und Koordination erziehungshilfebezogener Fragestellungen, z.B. kreisinterner Fortbildung, wird ein Kreisfachrichtungsbeauftragter/eine Kreisfachrichtungsbeauftragte bestellt. Ein entsprechender Arbeitskreis dieser Funktionsträger, angesiedelt am Landesseminar für Sonderpädagogik, könnte den Austausch über die Kreisgrenzen gewährleisten, die notwendige Fortbildung sicherstellen und Gesprächspartner auf Landesebene sein.

Aufgaben der Erziehungshilfe

Aufgaben der Erziehungshilfe im Kontext des Erziehungsauftrags der allgemeinen Schule, idealtypisch zugeordnet nach den Aspekten Arbeit mit Schülern und Arbeit für Schüler (vgl. Konzept ZEBRAH, als ZfEH vorgestellt in: Baldur Drolsbach: Systembezogene Erziehungshilfe und Schulentwicklung, System Schule, Heft 4, Dez. 1999, 3. Jahrgang, S. 122ff).

Allgemeine Aufgaben:

  • Diagnostik/Überprüfungsverfahren
  • Information über Jugendhilfe
  • Reflexion von Rechtslagen
  • Organisation von fachrichtungsspezifischer Fortbildung für alle Beteiligten
  • Durchführung von Fortbildung
  • Teilnahme, ggf. Leitung von Regionalkonferenzen
  • ggf., wo möglich, Bereitstellung von Supervision, Anleitung zu Kollegialen Supervision
Arbeit mit Schülern

  • Unterricht, möglichst im Team mit Regelpädagogen im Klassenverband
  • Gesprächs- und Betreuungsangebote
  • Projekte wie Konfliktlotsenausbildung, Antiaggressionstraining u.ä.m.
  • Re-Integrationsbegleitung nach Heim- oder Klinikaufenthalt
  • Übergangsbegleitung in weitere Schulformen
  • Ersatzunterricht, soweit zwingend erforderlich
  • in Einzelfällen auch Schulbegleitung i.S. von § 35a KJHG
Arbeit für Schüler

  • Beratung von Eltern
  • Beratung von Lehrkräften/Teams
  • Stärkung der Schule als System, u.a. durch
  • Konzeptionelle Arbeit zum Aufbau
    • präventiver Strukturen in der Schule/Schulprogrammarbeit
    • schulischer Vernetzung (vgl. auch Grafiken Regionalkonferenz/ überrreg. AT)
    .

Arbeit gemeinsam mit dem Ansprechpartner/ggf. Aufgabe des Ansprechpartners

  • Vertretung des Erziehungshilfe-Aspektes in Konferenzen
  • Vernetzung fallbezogen in Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe
  • Erstellung von Förderplänen E
  • Teilnahme an Regionalkonferenzen


    Die Zusammenführung unterschiedlicher Professionen, jeweils andersartiger Zugehensweisen und die Berücksichtigung jeweils notwendiger Interessen und Rücksichten bei der Verfolgung eines letztendlich gemeinsamen pädagogischen Auftrags, wenn das grundgesetzlich verbriefte Recht auf Erziehung zugrunde gelegt wird, sollten zu einer Bündelung der im Einzelfall oft zu knappen Ressourcen führen und über sinnvolle Synergieeffekte dazu beitragen, dass
    • die Adressaten der Hilfsangebote, die Kinder und Jugendlichen in zeitweisen oder überdauernden Problemsituationen eine sinnvolle Hilfestellung erfahren und
    • die professionellen und die ehrenamtlichen Unterstützer/Helfer zufriedener ihrer Aufgabe nachkommen können, statt an den jeweiligen Unzulänglichkeiten ihrer vereinzelten Situation zu verzweifeln.

      Im Anhang wird eine mögliche Grundstruktur eines Erziehungshilfekonzeptes aufgezeigt, daß sowohl in eher städtisch als auch ländlich geprägten Kreisen, jeweils den regionalen Gegebenheiten angepaßt, umsetzbar ist.

      Fortbildung

      Die Komplexität der vorab beschriebenen Aufgaben macht Aus- und Fortbildung erforderlich. Orientiert an den unterschiedlichen Anforderungen und bezogen auf die Personenkreise der Sonderpädagogen E sowie der Ansprechpartner wird ein Fortbildungsbedarf ermittelt und beschrieben. Einzelne Kreise in Schleswig-Holstein decken diesen Bedarf bereits weitgehend aus Kreisressourcen ab, anderen bietet das Landesseminar für Sonderpädagogik - IPTS 22 - in den kommenden Katalogen jeweils Teile eines Modulsystem von Zentralveranstaltungen an.

      Im einzelnen sind folgende Module vorgesehen:
       

Thema

SoL-E

SoL-E
+AP

AP

Schulprogrammentwicklung unter E-Aspekten

x
 
x

Aufbau schulbezogener Netzwerke
 
x
 

Beratungskonzepte

x
 
x

Förderdiagnostik/-planerstellung
 
x
 

Rechtliche Grundlagen (SchulG/KJHG/OSP usw.)
 
x
 

Unterrichtsgestaltung unter E-Aspekten
 
x

(x)

Gesprächsführung

x
 
x

Konfliktlösetechniken (Mediation, Antiaggr.-Training....)
 
x
 

Gruppendynamik
 
x
 

Begutachtungsdiagnostik E

x
   

Begutachtungsverfahren

x
   

Besondere pädagogische Angebote (z.B. Insel)
 
x
 

Kooperationsförderliche Aspekte
 
x
 

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