Systemik

Seit weniger als 30 Jahren entwickelt sich in verschiedenen pädagogischen Praxisfeldern eine Sichtweise , in der individuelle Störungen und Auffälligkeiten unter Einbeziehung der an der Störung beteiligten Systeme ( Klasse, Schule, Elternhaus, Peergroup usw. ) betrachtet wird. Der Problemschüler ist demnach kein isoliertes Individuum (pathologisch, krank, gestört), sondern in ein Systemgefüge von sozialen Beziehungen eingebettet, die sein Verhalten mitbestimmen. Innerhalb dieser Systeme bestehen Interdependenzen und zirkuläre Prozesse, in die der Schüler mit seinem Verhalten eingebunden ist. Das Verhalten eines Schülers erfüllt innerhalb dieser Systembezüge einen Zweck, eine Funktion, die für das Individuum nützlich ist. Das Verhalten ist in diesem Sinne folgerichtig und erklärbar. Der Begriff der Verhaltensstörung wird damit unzulässig.

Obwohl diese Theorie einleuchtend erscheint, vollzog sich der Paradigmenwechsel zunächst in den Naturwissenschaften und der Medizin, dann in der Kommunikationstheorie, seit ca. 35 Jahren in der Sozialpädagogik und erst jetzt im Bereich der Schulpädagogik, teilweise bedingt durch ein fehlendes Repertoire an erprobten Handlungsstrategien und Interventionstechniken.

Wie kommt es nun zu einer Verhaltensänderung: In der Systemik kommt es darauf an, in festgefahrenen negativen Regelkreisen neue Informationen einzugeben (Unterschiede), Verhalten anders zu interpretieren, um dann verändert reagiern zu können, das Ökosystem Klasse stärker mit zu berücksichtigen, nach funktionierenden Elementen zu suchen (Ressourcen) und die interdependierenden Systeme ( Schule, Elternhaus/Familie) stärker mit zu berücksichtigen. Zuschreibungen und Sichtweisen von Lehrern und Schülern werden verflüssigt. Diese Veränderungen übertragen sich zwangsläufig auch auf die angrenzenden Bezugssysteme. Eine grundlegende Reflexion des Ökosystems Klasse und die damit verbundenen subjektiven aber dennoch sehr bedeutsamen Konstrukte der beteiligten Personen sowie eine deutliche Vision des erwünschten Zielzustandes ist die Voraussetzung, um effektivere Handlungsstrategien zu entwickeln.

Im Mittelpunkt der systemischen Betrachtungsweise steht also nicht die Ursache sondern das Ziel des Verhaltens. Die entscheidende Frage lautet: Welches Ziel verfolgt eine Person durch das auffällige Verhalten ? Was verlöre diese Person, wenn sie sich sofort angepasst verhalten würde?

 

Systemische Techniken